In diesem Beitrag möchte ich gern von meinen Ansichten, Erfahrungen und Herangehensweisen zum Thema Schattenarbeit schreiben.

Unter „Schatten“ verstehe ich in diesem Zusammenhang Anteile und Verhaltensmuster in uns, die wir nicht sehen und welche dennoch vorhanden sind. Sie können verborgen sein oder uns unbewusst zu automatisierten Handlungen bewegen. Automatisierte Verhaltensmuster sind nicht immer hilfreich bei der Konflikt- oder Aufgabenbewältigung, weil uns durch die Existenz dieser Muster weniger Handlungsoptionen zur Verfügung stehen.
Desweiteren können unbewusste Anteile durch Trigger plötzlich eine innere Krise auslösen, ohne dass wir wissen warum. Oft wird der äußere Reiz, der Trigger, der uns in Form eines Menschen gegenüber stehen kann, als Ursache gesehen, doch meistens ist unser Gegenüber tatsächlich nur der Auslöser, nicht der Verursacher.
Wenn in Verbindung mit einem Thema starke Emotionen bestehen, gären diese in der Regel schon länger in uns. Zu einem völlig neuen Thema/Problem entwickeln sich unangenehme Emotionen nur langsam, wenn es nicht zeitnah verarbeitet werden kann. Sind bei einem Auslöser sofort starke Emotionen da, können wir sicher sein, dass sie schon länger in uns sind.

Ich denke, unangenehme Emotionen, ausgelöst durch Erinnerungen, sind Anzeiger für unerfüllte Bedürfnisse oder Verletzungen/Traumata, welche gesehen werden möchten.
Angenehme Emotionen sind aus meiner Sicht erfüllte Bedürfnisse, welche gefeiert werden möchten.

Generell finde ich es sinnvoll, zwischen Gefühlen und Emotionen zu unterscheiden:
Gefühle entstehen bei direkter Wahrnehmung, entwickeln sich, werden von Gedanken (Interpretationen/Bewertungen) beeinflusst. Emotionen tragen wir schon länger in uns und sie sind eine Reaktion auf Gedanken, Erinnerungen und äußere Auslöser.
Im Gegensatz zu Gedanken sind sowohl Gefühle und als auch Emotionen im Körper spürbar durch Körperempfindungen.

Warum Schattenarbeit?

Die Absicht, sich zu verändern bzw. weiterzuentwickeln kann einem Leidensdruck oder einem erkannten Problem entspringen. Bei mir waren es oft eigene Reaktionen welche mich an mir selbst gestört haben, und bei denen ich auch unschöne Feedbacks bekam.
Sich zu verändern kann bedeuten: Verhaltensmuster, welche nicht hilfreich sind, zu erkennen und die Wahl zu haben, weiter so zu reagieren, oder eine andere hilfreichere Strategie zu wählen.

Nicht hilfreiche Verhaltensmuster, bei denen wir selbst den Wunsch nach Veränderung haben, können auch der Ausdruck innerer Anteile sein, welche uns plötzlich „übermannen“. Angestaute Emotionen, nicht gesehene Anteile, unterdrückte Neigungen, welche genau dann mit aller Macht hervorkommen, wenn wir es nicht gebrauchen können. Dann kann es sich als hilfreich erweisen, diesen Anteilen in einem geschützten Rahmen den Raum zu geben, den sie brauchen.
Mein Wunsch, mich stärker mit Schattenarbeit zu beschäftigen, enstprang aber auch meinem Bedürfnis nach spirituellem Wachstum und meinem Wunsch nach persönlicher Entwicklung.

Was ist für mich hilfreich um den inneren Schatten auf den Grund zu gehen?

Um meine inneren Schattenbereiche zu erkennen, hat es mir geholfen, einen „inneren Beobachter“ zu entwickeln. Wenn ich es schaffe, wertneutral Situationen, Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse zu beobachten, bin ich in der Lage, meine Anteile, Muster und Automatismen zu erkennen.

Dabei möchte ich persönlich allerdings nicht, dass der Beobachter immer konstant aktiviert ist. Es gibt viele Erfahrungen und Situationen, welche ich ganz bewusst und mit Hingabe erleben will, ohne mich gleichzeitig zu beobachten.
In Konflikten oder herausfordernden Situationen finde ich es jedoch sehr hilfreich, den inneren Beobachter direkt (wenn möglich) oder im Nachhinein zu „aktivieren“, um mir z.B. Selbsteinfühlung zu geben oder in der konkreten Situationen nicht überzureagieren.

Den Inneren Beobachter aktivieren
Sehr effektiv finde ich die sogenannte Selbsteinfühlung (aus der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg). Diesen Prozess, den ich hier in 4 Schritten darstelle, kann man gut in Ruhe nach einer herausfordernden Situation üben.

1. Was genau habe ich gesehen oder gehört?
Geh die Situation durch als ob Du sie aus einer möglichst neutralen Kameraperspektive betrachtest, ohne die Situation zu bewerten. Was genau ist passiert? Notiere es als Übung.

2. Was waren meine Gedanken und Bewertungen, in dieser Situation? Welche inneren Regeln offenbaren sich in dem, was ich währenddessen gedacht habe? Mach Dir Notizen wenn Du magst.

3. Was habe ich gefühlt? Spüre nach, welche Gefühle oder Emotionen präsent waren. Beachte: Gefühle und Emotionen sind immer im Körper spürbar, spüre nach, wie es sich angefühlt hat. Also wenn Du wütend warst, wo im Körper hast Du dies gefühlt, wie hat es sich  angefühlt und welche Körperempfindungen hattest Du?
Bsp.: „Ich habe mich hintergangen gefühlt.“ … ist ein Gedanke, kein Gefühl – denn Du kannst das hintergangen-worden-sein nicht im Körper spüren. Was Du allerdings spüren kannst, ist Traurigkeit oder Wut als Reaktion auf den Gedanken, Du seist hintergangen worden.
Spüre in Dir nach und notiere, was Du wo und wie gefühlt hast. Akzeptiere diese Gefühle.

Mit den Schritten 1-3 kann man üben, den eigenen inneren Beobachter zu kultivieren: Es geht darum, Begebenheiten möglichst neutral anzusehen, zu beobachten, wie die eigene Reaktion war und sich bewusst zu machen, was man gedacht und gefühlt hat, ohne zu beurteilen. Dies allein ist schon hilfreich bei der Schattenarbeit und dabei, unbewusste oder automatisierte Verhaltensmuster zu erfassen und zuerst einmal anzunehmen, dass sie da sind.

Ein weiterer Schritt der Selbsteinfühlung wäre, sich zu fragen:

4. Was ist mein Bedürfnis?
Alle Gefühle und Emotionen sind Anzeiger für erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse. Die unangenehmen Gefühle weisen auf unerfüllte Bedürfnisse hin, während die angenehmen Gefühle ein Anzeiger für erfüllte Bedürfnisse sind.
Wut könnte zum Beispiel darauf hindeuten, dass mein Bedürfnis nach Wertschätzung mir gegenüber oder dasjenige nach einer guten Verbindung mit meinem Gegenüber oder mein Wunsch, mit meinem Anliegen gesehen zu werden, nicht erfüllt ist. Wenn Du mit dem Gefühl (z.B. Wut) verbunden bist, spüre in Dich hinein, frage Dich, was in Not ist, was Du Dir wünschst, was vielleicht nicht gesehen wird. Wenn es Dir klar ist, was Du brauchst, verbinde Dich mit diesem Bedürfnis und lass es Dich ausfüllen – z.B.: „Mir ist Wertschätzung wichtig!“
Beobachte, ob sich Deine Körperempfindungen verändern, wenn Du Dich mit dem, was Dir wichtig ist, verbindest. Was verändert sich?
Dieser Prozess wäre die sogenannte Selbsteinfühlung.

Ein zusätzlicher möglicher Schritt wäre, zu überlegen, was ich brauche, um mir dieses Bedürfnis zu erfüllen. Vielleicht eine andere Strategie? Oder eine Bitte an die Person, welche mir bei der Erfüllung des Bedürfnisses helfen kann? Wenn mir eine gute Verbindung zu der Person wichtig ist, wäre es vielleicht hilfreich, meinen Wunsch tatsächlich als Bitte und nicht als Forderung zu äußern. Eine Forderung hat immer eine Konsequenz, wenn sie nicht erfüllt wird. Wenn es keine Bitte sein kann (Gefahr im Verzug?) dann ist es auch wichtig, klar zu kommunizieren wie die Faktenlage ist. In einem solchen Szenario verlassen wir dann allerdings die Schattenarbeit und wären beim Thema Konfliktmanagement, was hier nicht im Fokus stehen soll.

Außerdem ist es natürlich auch eine Möglichkeit, zu versuchen den inneren Beobachter direkt einzuschalten, wenn gerade eine herausfordernde Situation stattfindet, und nicht erst im Nachhinein. Das erfordert ein Innehalten um zu schauen, ob es wirklich hilfreich ist so zu reagieren, wie man spontan reagieren will und kann dazu führen, dass man die Freiheit erlangt, frei zu wählen, welche Strategie für die Beziehung, zur Klärung des Konfliktes oder der Situation besser wäre.
Desweiteren kann ein eigener Prozess oder Konflikt, welcher durch den inneren Beobachter bewusst geworden ist, genauer angeschaut und ggf. verarbeitet werden.

Weitere Methoden für Schattenarbeit und inneres Wachstum:

inneres Erforschen / Dyade / repetitive Fragen
siehe weiterer Beitrag: Inneres Erforschen

Body Flow
siehe weiterer Beitrag: Body Flow
Absicht: den Schattenseiten und den inneren „Abgründen“ erlauben, in einem geschützten Raum da zu sein. Weitere Meditationen dieser Art sind:
die Kali Meditation von Gawain oder
die Labyrinth-Meditation von Alan Lowen

Enneagramm-Arbeit
Das Enneagramm, in heutiger Form bekannt geworden durch Georges I. Gurdjieff ist eine komplexe Landkarte menschlicher Verhaltensmuster. Die Arbeit damit kann helfen, eigene Automatismen, Lieblings.- und Vermeidungsstrategien aufzudecken, ein neues Verständnis für sich und für andere zu erlangen und die Freiheit, uns, wenn wir es möchten, aus unserer Konditionierung zu lösen, um freier entscheiden zu können.
Info und Beratung: https://farben-befluegeln.de/was-ist-das-enneagramm/

„The Work“ von Katie Byron
The Work bietet eine direkte Anleitung, Deine Gedanken, Glaubenssätze und festgefahrenen Muster zu identifizieren, zu hinterfragen und aufzulösen, wenn sie Dir nicht dienlich sind.
http://thework.com/sites/thework/deutsch/

„The Wheel of Consent“ von Dr Betty Martin
Das Wheel ist ein Augenöffner was zwischenmenschliche Dynamiken betrifft. Und es hilft Dir zu erkennen, für wen eine Handlung ist, wann tatsächlich Konsens herrscht und an welcher Stelle Übergriffigkeit und Missbrauch beginnen. Lerne neu in Dich zu spüren um zu erforschen, was Du im Kontakt mit anderen Menschen wirklich willst. Dies ist auch übertragbar auf jede Art von Verbindung oder Interaktion.
https://schoolofconsent.org/
Coaching und Workshops in Deutschland: https://vielfaeltig-lieben.de/

EFT / MET Methode
Auflösen von gespeicherten negativen Emotionen
www.official-eft.de


Dies sind selbstverständliches alles nur Möglichkeiten 🙂
Du kannst schauen, was für Dich funktioniert, was Dir zusagt oder gefällt, um Neues an Dir zu entdecken und über Dich zu lernen.

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